


Lügen haben kurze Beine
eine pseudowisschenschaftliche Betrachtung
Wenn wir einer Lüge begegnen erkennen wir sie nicht immer. Das liegt wahrscheinlich daran, dass sie so kurze Beine haben und wir sie einfach nicht sehen. Bekanntermaßen ist auf unserem Planeten alles der Schwerkraft unterworfen. Dies trifft freilich auch auf die Lügen zu. Also kleben die vielleicht irgendwie am Boden oder hat schon einmal jemand gehört dass Lügen fliegen.
Bedeutet das im Umkehrschluss, dass je näher wir uns zum Boden neigen, die Wahrscheinlichkeit größer wird, dass wir eine Lüge erkennen ? Hat das schon mal jemand probiert? Nun, vielleicht haben Lügen auch so kurze Beine, weil sie den Schädeln der Menschen entspringen und dort nicht allzu viel Platz ist.
Ha, da sind wir schon beim Kern der Sache:
Lügen sind sind eine vom menschlichen – und nur vom menschlichen Gehirn produzierte Spezies. Mag sein, dass es auch außerirdische Lügen gibt, aber hier auf der Erde werden sie nur vom Menschen produziert. Die Lügen werden in jeder Form und Größe in den Köpfen der Menschen modelliert und entspringen jenen, trotz ihrer kurzen Beine oft mit Leichtigkeit. Sie setzen sich, nein nicht am Erdboden, sondern in nächster Nähe des Kopfes eines anderen Menschen fest. Dieser wird wissenschaftlich als Belogener bezeichnet.
Der Belogene nimmt die Lüge bei sich auf oder er lässt sie platzen. Die Lüge platzt immer dann, wenn wenn der Belogene sie erkennt. Da helfen dann auch die Beinchen nichts, ob sie nun kurz sind oder lang. Meist versucht der, der die Lüge produziert hat, das ist der so genannte Lügner, sofort eine neue Lüge zu produzieren, eine bessere, stabilere. Aber auch deren Schicksal hängt davon ab, ob der Belogene sie sieht oder nicht.
Lügen haben einen schlechten Ruf, möglicherweise, weil sie beim Platzen Adrenalinausstöße erzeugen. Meist tragen die kleinen Dinger auch so genannte Absichten mit sich herum. Solche Absichten können, atomar gesehen, positiv oder negativ geladen sein, im Sinne von pädagogischer Betrachtung: gut oder schlecht. Dies wiederum bezogen auf den Urheber der Lüge oder auf die für sie bestimmte Zielgruppe.
Man sieht also, die vom Menschen produzierte Lüge hat es in sich wenn auch die Beine kurz sind. Statistisch gesehen, gibt es viele Male mehr negativ geladene Lügen als positiv geladene. (Dies ist eine Behauptung, die es noch durch wissenschaftlich statistische Methoden zu untermauern gilt !)
Erstaunlich ist auch deren zunehmende Verbreitung über ebenfalls vom Menschen geschaffene sogenannte Kommunikationsmedien. Letztere klonen die aus zahlreichen Köpfen verschiedener Fachrichtungen entsprungenen Lügen und sorgen für deren exponentiell ansteigende Verbreitung.
Entsprechend ist der einzelne Mensch als Belogener hoffnungslos überfordert und schafft es immer weniger, die bei ihm eintreffenden Lügen platzen zu lassen. Er trägt sie also mit sich herum, wie die Vielzahl an Bakterien, die seinen Körper besiedeln und erwischt nur hin und wieder mal eine die dann mit mehr oder weniger Adrenalin platzt .
Trotzdem wir also von Lügen umgeben sind ist deren Erzeugung, insbesondere zur Verschaffung von Vorteilen für deren Erzeuger, als gesellschaftlich verwerflich definiert.
Warum das so ist, erfahren wir, wenn wir den strahlenden und reinen Widersacher der Lüge betrachten, die Wahrheit.
Die Wahrheit steht über Allem, wie unser Stern die Sonne über uns am Himmel. Doch auch die Sonne steht nicht über Allem, denn wenn sie auch für uns groß und warm ist, so ist sie nur ein kleiner Leuchtpunkt in den unendlichen Weiten des Alls.
Alles eine Frage des Standortes. Die Experten nennen es relativ. Auch die Wahrheit ist also relativ und kann ihr Gesicht je nach Standpunkt des Betrachters ändern.
Eine wichtige Frage drängt sich der Autorin an dieser Stelle auf:
Wie lang sind die Beine der Wahrheit ?
Ich habe seit frühester Kindheit gelernt, dass Lügen schlecht sind. Einige Male hatte ich wirklich schöne Lügen produziert, doch meine Mutter hatte sie sofort erkannt. Sie zerplatzten wie Seifenblasen und hinterließen in mir Herzrasen und einen faden Geschmack. So konzentrierte ich mich darauf mit Wahrheiten zu arbeiten, wenngleich auch sie nicht frei von Herzklopfen und miesen Geschmäckern waren und auch nicht immer wirklich w a h r waren, jedenfalls aus anderen Sichtwinkeln als meinen eigenen.
So habe ich mir meine Gewohnheit zur Wahrheit bis heute bewahrt, bis auf einige wenige Ausnahmen, die ich hier an dieser Stelle berichten will.
Ähnliches gilt übrigens für meinen seit kurzem nach Recht und Gesetz angetrauten Liebsten, der ebenfalls nicht unwesentlich zu den hier beschriebenen Lügen beitrug:
Lüge 1
Vor nicht allzu langer Zeit ist uns beiden schmerzlich bewusst geworden, dass wir gelogen hatten. Die Belogene war in unserem Fall die Mikrowellen- Grill- Kombination (MGK). Höchst eigennützig hatten wir beschlossen, das Gerät zu belügen um eine braunere und knusprigere Pizza in ihr zu erzeugen. Wir nahmen eine 250 g Pizza und behaupteten gegenüber der MGK es sei eine mit 400 g Gewicht..
Das was uns das Gerät aufgrund unserer Lüge produzierte war hervorragend und an Leckernis kaum zu übertreffen.
Die Lüge ist nicht geplatzt. Das Gerät hat sie nicht erkannt.
Nun ringen wir mit der Frage, ob das Belügen von Haushaltgeräten zu den gesellschaftlich verwerflichen Handlungen gehört.
Lüge 2
Es gibt so Tage, da ist die Luftfeuchte niedrig und die Trockenheit der Gesichtshaut nicht zu ertragen. Dafür haben wir eine Nachtcreme, die eigentlich am Abend aufgetragen wird. Sie steht bequemer Weise neben dem Bett. In letzteres kriechen wir aber auch schon mal am Tage für einen ausgiebigen Mittagsschlaf.
Leider gibt es bisher noch keine Mittagsschlafcreme, für den Fall, dass mitten am Tag die Haut trocken ist.
So nutzen wir die Nachtcreme, verbunden mit einer Lüge. Wir gaukeln der Creme durch das Schließen der Augen während der Anwendung vor, es sei Nacht. Ob sie es merkt ? Wir werden es wohl erst in einigen Jahren wissen, ob diese Lüge geplatzt ist, wenn wir in den Spiegel sehen.
Lüge 3
Mit einer von uns bewusst erzeugten Lüge können wir sogar das Wetter beeinflussen. Letzteres spielte uns immer übel mit, wenn wir grillen wollten. Dann schickte uns der Himmel dicke Regenwolken und sorgte dafür, dass das Grillgut in weichem Regenwasser badete das Bier verdünnt wurde und uns die Freude am Grillen verging.
Wir beschlossen also den Himmel über unsere Grillpläne im Unklaren zu lassen, unterhielten uns statt dessen lautstark darüber, dass es zum Abendbrot lecker Knäckebrot geben würde.
Auch diese Lüge platzte nicht, denn fortan grillten wir ohne Regen. Weil es so gut klappt, nutzen wir diese Lüge noch heute, wenn wir vor haben den Grill anzuwerfen.
Natürlich haben wir dabei ein schlechtes Gewissen...wenn auch ein ganz kleines.
Dies sind Beispiele dafür , dass selbst wahrheitsliebende Menschen Lügen benutzen, um sich Vorteile zu verschaffen. Ungeheuerlich oder relativ? Denn wenn die Wahrheit relativ ist, so muss es auch ihr Pendent, die Lüge sein.
Hier kommt die Frage ins Spiel, ob das Belügen von Haushaltsgeräten, Nachtcremes oder gar des Himmels Schaden an etwas oder jemanden bewirkt.
Spontan würden wir sagen „nein“, denn das ist unsere momentane ehrliche aber relative Wahrheit.
Wir könnten also die Lügen in schädliche und unschädliche systematisieren. Sind also unschädliche Lügen gesellschaftlich verwerflich und wie lang sind eigentlich deren Beine ?
Gemeinhin bekannt ist im sozialgesellschaftlichen Zusammenhang eine weitere Unterart der Lüge : die Notlüge.
Sie ist eine sehr individuell zu betrachtende Art, denn sie ist unmittelbar an das Wort, bzw. den Zustand der Not gekoppelt, was nicht bedeutet, dass sie auch ausschließlich in Verbindung mit diesem Zustand produziert wird. Oftmals ist eine Notlüge an sich schon eine Lüge. Der Mensch erzeugt sie überwiegend um die Verwerflichkeit seiner bereits produzierten Lüge herunter zu spielen und weniger verwerflich zu machen, indem er eine Not vortäuscht. Das klappt manchmal aber nicht immer. Notlügen haben gesellschaftlich einen höheren Stellenwert, denn Not ist ein Zustand in dem kein Mensch sein will und der in der Regel auch keinem anderen gewünscht wird. Doch auch die Not ist relativ und damit auch die Notlüge.
Ein Beispiel für eine Notlüge könnte sein, wenn jemand zum Beispiel bei jemandem zum Essen eingeladen ist, der bekannter Weise überhaupt nicht kochen kann. Der Geladene erzeugt nun in dem Wissen, dass es scheußlich schmecken wird, eine Lüge: „ Ich habe keinen Hunger.“ Die Scheußlichkeit des Angebotenen allein begründet allerdings noch nicht die Not, denn man könnte sich ja zusammenreißen, etwas essen und dann die Wahrheit sagen, nämlich dass es scheußlich schmeckt. Möglicherweise hat man aber schon einmal davon gegessen und anschließend Magenkrämpfe bekommen. In einem solchen Fall wäre es allerdings eine echte Notlüge.
Wer isst aber schon bei einem Gastgeber etwas, das dieser mit Mühe zubereitet hat und sagt ihm dann dass es scheußlich schmeckt. Hier wird gemeinhin gelogen, was das Zeug hält. Denn man will sich ja nicht bei einem ansonsten geliebten Freund, Familienmitglied oder Vorgesetzten unbeliebt machen indem man das von ihm in wohlwollender Absicht Produzierte als ungenießbar bezeichnet. Trotzdem Notlüge oder nicht ?
Nun, kommen wir doch noch einmal zur Wahrheit zurück. Ich hatte ja bereits angedeutet, dass auch die ihre Tücken besitzt. Nein, wird man sagen, die Wahrheit ist immer gut.
Dann denken Sie mal an jenen Tag als Ihnen jemand sagte „Du siehst aber heute schlecht aus, geht es Dir nicht gut ?“ Sofort fängt man an seinen Körper zu durchforsten, ob da irgendetwas weh tut, etwas nicht ganz stimmt, etwas aus dem Gleichgewicht ist. Und siehe da, man findet immer etwas, was einen bis zur Aussage, das man schlecht aussehe noch gar nicht aufgefallen war. War die Nacht nicht sehr unruhig gewesen ? Würde man seine Menstruation bekommen oder gar eine bakteriologisch bedingte Erkrankung der Schleimhäute. Könnte es auch noch Schlimmeres sein ?
Plötzlich fühlst du dich mies, erschöpft und schlecht aussehend. Die Haare legen sich vor Verzweiflung in die Gegenrichtung und du verlierst die kraftvolle Energie, die dich bis zur Äußerung deines Gegenüber begleitet hat. Letzterer hatte ja die reine Wahrheit gesagt, mitleidig, voller Anteilnahme meinte er es gut mit dir.
Doch der hatte nur dir gegenüber diese Anteilnahme, nicht gegenüber all den anderen Menschen, die an diesem Tag vielleicht wirklich schlecht aussahen, weil er gerade in dem Moment, als er dir begegnete aus Versehen die alte Brille aufgesetzt hatte, mit einer Dioptrinzahl, die er vor 10 Jahren trug und die mit grauem Staub belegt war. Was hatte er mit seiner Wahrheitsliebe und seiner schlechten Brille angerichtet? Wäre es nicht besser gewesen zu lügen und dem Gegenüber mitzuteilen, wie toll er oder sie heute wieder aussahen um bei dem Gegenüber eine kraftvolle Motivation gepaart mit ein bisschen Selbstliebe zu erzeugen ? Eine durch eine Brille veränderte Wahrheit. Bleibt sie wahr oder wird sie zur Lüge und platzt, wenn heraus kommt, dass man die falsche Brille auf hatte?
Jeder hat schon einmal von der rosaroten Brille gehört. Sie macht angeblich die Welt ein bisschen schöner, was ich nicht verstehen kann, weil ich mit meiner Tochter eine gemeinsame Abneigung gegen Rosa teile. Dennoch erhellt sich der Geist der Menschen, wenn sie sich eine solche Brille aufsetzen. Sie verändert eine graue Realität in eine rosarote Lüge.
Ob die wohl rosarote Beine haben? Und auch wenn ich mich wiederhole:
Wie lang sind die Beine rosaroter Lügen ?
Oder erzeugt das Aufsetzen einer rosaroten Brille gar keine Lügen, sondern rosarote Wahrheiten ?
Es ist wohl eine Frage der Dioptrin in Relation zur Farbintensität roter Farbpimente. Könnte man da nicht mal einen Fachmann dransetzen?
Ob es wohl wahr ist, dass die Kürze oder Länge von Lügenbeinen einen direktem Zusammenhang mit der Dioptrinzahl von Brillengläsern aufweisen?
Nun zumindest könnten wir es hier mit einer Teilwahrheit zu tun haben. Denn auf der Erde tragen nicht alle Menschen eine Brille. Einige sehen zumindest nach Aussage der Augenärzte recht gut. Allerdings kenne ich keinen, der jemals behauptet hat die Länge der Beine von Lügen erkannt zu haben.
Können wir überhaupt die uns umgebende Realität mit den uns von der Natur gegebenen Sehorganen (plus der vom Menschen erfundenen Superteleskope und -mikroskope) vollständig erkennen? Oder sehen wir nur relativ viel von dem was uns umgibt.
So, nun habe ich relativ viel über die Lügen nachgedacht. Wie lang deren Beine sind konnte ich nicht konkret ermitteln.
Dennoch steht deren Länge offensichtlich in unmittelbarem Zusammenhang mit der Wahrheit.
Je mehr sich eine Lüge von der Wahrheit entfernt, desto länger werden die Beine.
Ja länger, denn mit langen Beinen erkennt man die Lügen besser.
(Hypothese 2010)
Lügen mit einem hohen Wahrheitsanteil sind eher schwieriger zu erkennen. Die haben wirklich sehr kurze Beinchen. Damit ist klar, dass der Volksmund sich wohl nicht so detailliert mit dem Thema auseinandergesetzt hat. Denn meines Wissens soll die Aussage, dass Lügen kurze Beine haben, sinnbildlich darstellen, dass sie immer erkannt werden.
Oh, das ist, zumindest aus meiner Sicht eine Lüge.
